projekte der globe art praxis

3. Projekt 2003
Gründung und Eröffnung
der Europäischen Produzenten Galerie


22. November 2003 – Februar 2004
I n   d e n   R ä u m e n   d e r
g l o b e   a r t   p r a x i s
H a n s - U l r i c h   H e l l m a n n
Stumpfebiel 6 · D-37073 Göttingen
Öffnungszeiten:

di. - frei. 17.00 - 20.00 uhr

und nach tel. Vereinbarung:

0551-53 12 193 oder 47 302




Anläßlich der Eröffnung sprachen:

Prof. Siegfried K. Lang
Hochschule für Bildende Künste, Braunschweig

Prof. Dr. Dr. Gerald Huether
Professor für Neurobiologie
Psychatrische Klinik Universität Göttingen

Dr. Gabriele Oberreuter
Privatdozentin Universität Frankfurt/Main

1. Ausstellung der Europäischen
    Produzenten Galerie

Zwar gibt es genügend Kunsthäuser, Messen, Biennalen, Produzentengalerien, aber bisher noch keine europäische. Ich begreife Europa als Kulturzentrum. Die Künstler der europäischen Produzentengalerie ergeben gemeinsam den Galeristen der europäischen Produzentengalerie. Die globe art praxis ist keine Galerie, sie ist die Dependance zu Fuerteventura, England und Frankreich. Es gibt viele bildende Künstlerinnen und Künstler in den Ländern Europas, die sich ihre kulturelle Identität bewahrt haben und bewahren wollen. Unter kultureller Identität verstehe ich keinen Nationalismus sondern ich beziehe mich auf W. Kandinsky:

Für die Kunst hat der gebürtige Russe 1912 das berühmte Prinzip der inneren Notwendigkeit des Künstlers zur Kunst veröffentlicht.

  1. Jeder Künstler hat als Schöpfer (nicht als Gott) das ihm Eigene zum Ausdruck zu bringen
  2. Jeder Künstler hat als Kind seiner Epoche, das dieser Epoche eigene zum Ausdruck zu bringen.
  3. Jeder Künstler hat als Diener der Kunst das der Kunst im allgemeinen Eigene zu bringen.

Was ist das Eigene im Zeitalter der Globalisierung?

In Zukunft wird nicht mehr die Frage nach kultureller Identität der europäischen Kulturen und deren Fragmente, Relikte gefragt, sondern auf welche Art und Weise und in welchem Maße aus den Ländern Europas Beiträge zur Entwicklung einer Weltkultur zu erwarten sind.

Durch die kulturelle Identität der Künstlerinnen und Künstler aus den Ländern Europas und deren Darstellungen haben wir eine kulturelle Vielfalt und Lebendigkeit, die schützenswert ist. Deshalb rufe ich auf zum kulturellen ARTenschutz für bildende Künstlerinnen und Künstler. Auch bei erheblichen Einsparungen im Kultur- und Bildungsbereich wird unsere Kultur, unsere kulturelle Identität, verelenden.

Doch gerade im Erleben einer fremden Kultur wird einem klar, wie sehr das Wirklichkeitsverständnis mit kulturellen Prägungen zu tun hat. Was uns letztlich als Wirklichkeit gilt, haben wir immer nur vermittelt durch kulturelle Filter. Die eigenen kulturellen Filter sind uns aber kaum bewusst, weil sie intersubjektives Selbstverständnis sind. Erst in der Fremde werden sie thematisch, weil sie dort keine Geltung haben.

Insofern erfährt man im Erleben einer fremden Kultur nicht nur über diese etwas, sondern immer auch etwas über die eigene. Hat man sich einmal verständlich gemacht, dass man andere Kulturen braucht, um über die eigene etwas zu wissen und umgekehrt, dann hat das Fremde seine Bedrohlichkeit verloren. Eine wichtige Bedingung für ein humanes Zusammenleben wäre dann erfüllt."

Schon heute leben wir in der Kultur des Wegsehens. Doch für ein humanes Zusammenleben benötigen wir dringend eine soziale Kompetenz, denn sozial ist Hinsehen, genaues Hinsehen und Kunst ist demnach nicht nur die Sache des schönen Scheins, noch der befreiten Gefühle. Kunst zeigt den Menschen vielmehr einen Weg zum Handeln im Kontext von Erkennen, Fühlen, Denken und dient so der Entwicklung einer Kultur des Hinsehens und der eigenen Verantwortung.


Hans-Ulrich Hellmann


1. Was ist eine „Europäische Produzenten Galerie“?

Die „Künstler/innen, die sich in dieser Initiative zusammengefunden haben, streben – ohne Vermittlung des Kunstmarktes – eine direkte und kontinuierliche Zusammenarbeit mit Kollegen/ innen aus anderen europäischen Ländern und Regionen an. Sie ist ein europäisches Denkforum für bildende Künstler, die sich in ihren jeweiligen Ateliers oder dafür geeigneten Orten regelmäßig treffen, teilweise gemeinsam arbeiten und ihre
künstlerischen Ergebnisse dort der Öffentlichkeit vorstellen. Im Rahmen der international ausgerichteten Präsentationen sollen Symposien stattfinden, auf denen von Künstlern und
Wissenschaftlern aus den Bereichen Gesellschaft, Technik und Natur, Probleme der künstlerischen und kulturellen Hybridisierung im vereinten Europa diskutiert werden sollen.

2. Warum eine „Europäische Produzenten Galerie“ heute?

Gegenüber der ökonomischen Dynamik der sich in den nächsten Jahren noch erweiternden europäischen Gemeinschaft gerät der künstlerisch-kulturelle Diskurs zunehmend ins
Hintertreffen! Der Kunstmarkt mit seinen Mechanismen kann dieses Gespräch nur sehr bedingt leisten. Deshalb sind die Kunstproduzenten aufgerufen, in direkter Kommunikation
ein Netzwerk zu schaffen, das einen von den unterschiedlichen Arbeiten und Positionen ausgehenden Ideenaustausch ermöglicht, authentische Erfahrungen zulässt, um darauf aufbauend gesamteuropäische Fragestellungen und Perspektiven zu entwickeln.

3. Wozu eine „Europäische Produzenten Galerie“?

Das von Künstler/innen nach und nach geknüpfte Netzwerk könnte dazu beitragen ,deren Vereinzelung aufzuheben und ihnen daneben die Möglichkeit zu eröffnen, – wie auch einem
interessierten Publikum – im direkten Kontakt mit dem und den „Andern“ die ungeheure Vielfalt künstlerischer Positionen und Eigenheiten in ihrem regionalen und nationalen Kontext zu erfahren und in ihrer Gleichzeitigkeit wahrzunehmen, um im Austausch mit außereuropäischen Kulturen und künstlerischen Formulierungen das Profil der europäischen Pluralität zu schärfen und zu differenzieren.

1.
What is a "European Producers`s Gallery?"

Various artists joined together in this initiative to promote a continuous and direct relationship with their colleagues from other European countries and regions, without the mediation of the market.The gallery is a European thought forum for sculpting artists, who meet regularly in their studios or other suitable places to show the results either of their combined artistic talent or single craft (wo)manship to the public.
Within the context of these international presentations, symposiums are to take place in which artists, scientists, and scholars are offered the opportunity to discuss the problem of hybridisation of art and culture within a unified Europe.

2. A "European Producer’s Gallery" today?

In contrast to economic dynamics within the expanding European Union, the discourse in and on art and culture has fallen into disrepair. The art market and its mechanisms can sustain this discourse only partially. For this reason we call upon the producers of art, to establish a network, in which the multitude of different works and positions will lead to an exchange and growth of ideas, that will allow the participant to gain experiences an develop questions and perspectives on a European level.

3. Why a "European Producer’s Gallery?"

By establishing such a network the artists may break out of their isolation and grasp the opportunity to discover "others" through direct contact, and experience first hand the great variety of artists expression within their own regional and national contexts. Through this interchange with "Non-European"cultures and their artistic formulations the profile of European plurality can be sharpened and differentiated.

Klaus Berends
Ustedes son la sal de la tierra
Nichts mehr, es wird
Rauminstallation Tarajalejo
Hans-Ulrich Hellmann
Außenkopfinnen
103 x 81,5 x 2,5 cm
Christel Irmscher
Der andere Blick
29,5 x 21 cm
John Whistler
I am here
29,5 x 21 cm

Klaus Berends
Urb. Las Palmeras 5 · E - 35427 Tarajalejo/Fuerteventura · Tel./Fax: +34 - 928 - 87 20 93

Hans-Ulrich Hellmann
globe art praxis, Stumpfebiel 6, D 37073 Göttingen · Tel.: + 49 (0) 551 - 47 302,
FAX: + 49 (0) 551 - 38 14 38 2 , email: reg.hellmann@gmx.net

Christel Irmscher
Göttingen ·email: christel.irmscher@t-online.de

John Whistler

The Dodo Houses · Battle · East Sussex · TN 330 JR · Tel.: +44 - 1424 - 77 41 25





Göttinger Tageblatt, Donnerstag, 20. November 2003

Für ein "humanes Miteinander"

Start in Göttingen: die Europäische Produzentengalerie


Große Ziele hat der Göttinger Künstler Hans-Ulrich Hellmann:Gemeinsam mit Christel Irmscher, ebenfalls aus Göttingen, John Whistler, der teils in Göttingen, teils in Battle, England, lebt, und Klaus Berends, der sich auf Fuerteventura eingerichtet hat, eröffnet er am Sonnabend die "Europäische Produzentengalerie". Sitz der ersten Dependance:Stumpfebiel 6, Göttingen.

Ein großes Netzwerk europäischer Künstler schwebt Hellmann, der seit etwa einem Jahr ebenfalls am Stumpfebiel seine "globe art praxis" betreibt und die Produzentengalerie zu einem Projekt seiner Praxis gemacht hat, als Ergebnis seiner Idee vor. Künstler, die sich sich in der Initiative zusammengefunden haben, streben ohne Vermittlung des Kunstmarktes eine direkte und kontinuierliche Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen europäischen Ländern und Regionen an", steht in der Broschüre zur Eröffnung der ersten Ausstellung zu lesen.

Als "Denkforum für bildende Künstler" stellt er sich die Einrichtung vor. Regelmäßig sollen Symposien organisiert werden, der Austausch zwischen Kunst und Wissenschaft ist geplant. ,Je mehr kluge Leute sich beteiligen, desto besser kann das Projekt gedeihen", erklärt Hellmann. Und: Jeder Künstler, der von der Produzentengalerie vertreten wird, hat die Verpflichtung, für Ausstellungsmöglichkeiten zu sorgen.

"Globalisierung, Gedächtnis,kulturelle Identität" sind Schlagworte, mit denen Hellmann agiert. Vor allem die kulturelle Identität ist es, nach der er "in Zeiten fortschreitender Globalisierung" forschen möchte. Diese Auseinandersetzung diene "der Kunst, der eigenen Entwicklung", sagt Irmscher. "Und dem humanen Miteinander", ergänzt Hellmann.

Kontakte mit weiteren internationalen Künstlern seien bereits angebahnt, so Hellmann. Skandinavien, Russland und Frankreich stehen auf dem Plan. Und zwischen Weihnachten und Neujahr folgt die zweite Ausstellung der vier Begründer auf Fuerteventura. pek

Die Ausstellung der europäischen Produzentengalerie mit Werken von Klaus Berends, Hans-Ulrich Hellmann, Christel Irmscher und John Whistler wird am Sonnabend, 22. November, um 20 Uhr im Stumpfebiel 6 in Göttingen eröffnet